Mein Name ist Joe Falta und ich darf gerade für vier Wochen ein Praktikum im Büro vom Tandem – Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch absolvieren. Ich komme aus Budweis in Tschechien, studiere Germanistik an der Prager Karls-Universität und wollte einige neue Erfahrungen sammeln, bevor ich den jetzigen Studiengang abschließe.
Neben dem Studium bin ich bei Česká tábornická unie (ČTU) in Teilzeit angestellt. ČTU ist eine NGO, die etwa 100 Klubs quer durch Tschechien versammelt. Die Tätigkeit von ČTU und den einzelnen Mitgliedsvereinen basiert auf den Woodcraft-Prinzipien (d.h. Naturweisheit etc.) von E. T. Seton und bietet Kindern sinnvolle Freizeitbeschäftigungen. Ich selbst bin seit der ersten Klasse in einem der Budweiser Klubs Mitglied, ich bin in dem Klub aufgewachsen und nach neun Jahren wurde ich zu einem der Klubleiter:innen. Zu den Aktivitäten der Klubs allgemein gehören wöchentliche Treffen, bei denen man z.B. Morsecode oder die Grundlage der Ersten Hilfe lernt, Ausflüge und Wanderungen am Wochenende und dann die Sommercamps. Zu meinen Aufgaben bei der ČTU gehören die Verwaltung von Social Media, der Newsletter für unsere Mitglieder, die Erstellung von Graphiken oder die Teilnahme an unterschiedlichen Veranstaltungen.
Finanzierung ist ein Thema
Eine der Herausforderungen für die Jugendvereine in Tschechien ist das Thema der Finanzierung. Seit Herbst des letzten Jahres gibt es eine neue tschechische Regierung, für die die Tätigkeit von unterschiedlichen NGOs keine wichtige Rolle spielt und die daher die finanzielle Unterstützung seitens des Staates verkleinert. Zwar schaffte der Tschechische Rat der Kinder und Jugend (ČRDM) es, die Senkung für die durch das Bildungsministerium unterstützten Vereine für dieses Jahr zu stoppen, aber die Mittel bleiben in der ungefähr gleichen Höhe wie in den letzten Jahren. Man darf jedoch nicht vergessen, dass die Preise allgemein steigen, aber die Höhe der Unterstützung nicht – mit dem gleichen Geld kauft man also heutzutage weniger als letztes oder vorletztes Jahr.
Bei den Herausforderungen sollte die Arbeit der Freiwilligen nicht vergessen werden. Leider wird die ehrenamtliche Arbeit von der Öffentlichkeit nicht so geschätzt, wie sie es verdienen würde. Lasst uns eine damit zusammenhängende einfache Frage stellen – welche Motivation haben die Freiwilligen, wenn sie fast nie ein simples „Dankeschön“ hören? Die Motivation der (besonders jungen) Ehrenamtlichen sollte berücksichtigt werden, denn heutzutage gibt es sehr viele Möglichkeiten, was man mit seiner Freizeit machen könnte. Wenn sich die Freiwilligen nicht für die Angelegenheiten einsetzen würden, die sie sinnvoll genug finden, um dafür ihre Freizeit zu investieren, müsste der Staat noch viel mehr Geld dafür ausgeben.
Herausforderungen für den Austausch
Eine Herausforderung beim internationalen bzw. deutsch-tschechischen Jugendaustausch ist, dass viele Tschechen denken: „Oh nein, ich muss wahrscheinlich Deutsch sprechen können, damit ich daran teilnehmen kann, also ist so eine Gelegenheit gar nichts für mich.“ Das kann dazu führen, dass sich der- oder diejenige für weitere Informationen nicht interessiert. Aber selbst wenn jemand sich sagt, dass es vielleicht möglich wäre, kommt die nächste Herausforderung. Und zwar, dass man einem solchen Projekt und dessen Bürokratie noch weitere Freizeit widmen muss. Für jemanden, der in seinem Klub ohnehin schon viel Verwaltungsarbeit leistet, stellt ein solches Projekt eine weitere Hürde dar, die Zeit und Energie kostet. Das kann ein weiterer Grund dafür sein, warum man sich entscheidet, nicht an einer solchen internationalen Begegnung teilzunehmen.
Das waren ein paar Gedanken, die ich mir zum Thema Jugendarbeit und Jugendaustausch gemacht habe. Ich freue mich darauf, was mir dieses Praktikum bei Tandem bringt, was ich Neues oder Interessantes erfahren werde. Unter anderem ist das sicher eine gute Gelegenheit, meine Deutschkenntnisse in die Praxis umzusetzen.
Joe Falta
