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Tandem-News

Von Tschechien nach Deutschland: Auslandspraktikum während Ausbildung und Corona

Eine junge angehende Schreinerin aus Tschechien absolvierte trotz Corona-Pandemie ein Auslandspraktikum in einer Schreinerei im Bayerischen Wald. Intensive praktische Arbeit, Kennenlernen einer neuen Kultur und die Verbesserung der Fremdsprachenkenntnisse weckten ihr Interesse. Tandem ermöglicht tschechischen und deutschen Auszubildenden den Auslandsaufenthalt im Nachbarland auch während der Coronazeit.

Belinda Petáková aus Prag ist von Deutschland und genau gesagt vom bayerischen Zwiesel sehr begeistert. Sie hat dort während der Corona-Pandemie ein freiwilliges berufliches Praktikum in einer Schreinerei absolviert. Möglich gemacht hat dies Tandem das Koordinierungszentrum für den deutsch-tschechischen Jugendaustausch, das seit über 20 Jahren das Projekt „Freiwillige Berufliche Praktika“ anbietet. Mithilfe von Tandem können Berufsschüler:innen aus Tschechien ein Praktikum in deutschen Betrieben machen und Auszubildende aus Deutschland umgekehrt in Tschechien. Berufsschulen und Ausbildungsbetriebe arbeiten dabei zusammen. Seit dem Jahr 2000 haben 6000 Praktikanten:innen an diesem Programm teilgenommen. Corona ist dabei kein Hinderungsgrund, das Praktikum konnte unter der Einhaltung der geltenden Ein- und Ausreisebestimmungen und unter Einhaltung der Kontaktbeschränkungen durchgeführt werden.

Ausland als Ziel

Belinda Petáková ist angehende Schreinerin. In Tschechien besucht sie eine Höhere Berufsschule für Kunst und Handwerk in Prag, die mit Tandem kooperiert. Belinda kam als Praktikantin in den Betrieb der Schreinerei Kurt Reiß in Zwiesel. „Ich wollte immer im Ausland studieren oder arbeiten. Ich finde es sehr vorteilhaft, wenn man Zeit in einem anderen Land verbringt“, erklärte Petáková ihre Motivation. Sie hatte von dem Tandem-Programm gehört und nahm ihre Chance wahr. Abgesehen davon, dass sie die Kultur in Deutschland kennenlernen wollte, hoffte sie auch, mehr zu lernen, wenn sie direkt in der Werkstatt arbeitet. Der praktische Unterricht in Tschechien sei nicht so intensiv, sagte Petáková. Außerdem wolle sie auch ihr Deutsch verbessern.

Viel dazu gelernt

Die Schreinerei Reiß stellte sich für die junge Tschechin als Glücksgriff heraus. Die Leute seien „so nett“, sagte sie, und hätten immer Geduld, ihr alles zu erklären. „Ich lerne jeden Tag etwas Neues“, erklärte Petáková. In der Schreinerei Reiß habe sie fast jeden Tag eine andere Tätigkeit durchgeführt, sodass ihre Arbeit sehr abwechslungsreich war. „Ich habe einfache Holzprodukte gemacht, geschnitzt und auch mit verschiedenen Maschinen gearbeitet“, erzählte sie von ihrer Arbeit. Doch nicht nur fachlich lernte Belinda bei ihrem Praktikum in Deutschland viel dazu. Sie schloss auch persönliche Kontakte anderen Jugendlichen, auch wenn es coronabedingt begrenzt sein musste. Zwiesel gefällt Belinda sehr gut und das nicht nur in landschaftlicher Hinsicht. Sie habe sich hier sehr gut ausruhen können. „In Prag finde ich das Leben ein bisschen stressig.“

Begeisterter Chef

Die Vorteile des Tandem-Programms „Freiwillige Berufliche Praktika“ liegen jedoch nicht nur bei Auszubildenden. Auch der Betrieb, der Praktikant:innen aus dem Nachbarland aufnimmt, profitiert davon. Für Schreiner Kurt Reiß war die Zusammenarbeit mit Tandem eine Premiere. Mitgemacht habe er, „weil wir gern mit jungen Leuten zusammenarbeiten und es für uns interessant ist, andere Kulturen kennenzulernen.“ Von Belinda Petáková war Reiß sehr positiv überrascht. Er lobte ihre Freundlichkeit, die Offenheit und auch ihr bereits vorhandenes Können sowie ihr großes Interesse an allen handwerklichen Arbeiten. „Wir sind äußerst zufrieden mit ihrer Arbeit. In das Arbeitsleben konnten wir sie mit sehr vielen unterschiedlichen Tätigkeiten integrieren, da sie sehr interessiert und begabt ist“, stellte der Schreiner fest.

Bereicherndes Praktikum

Für Belinda selbst sieht Reiß viele Vorteile durch das Praktikum in seinem Betrieb. Die Anpassung an neue Arbeitsstrukturen, der Umgang mit Kolleg:innen und Kund:innen und das praktische Arbeiten hätten Belinda Petáková sowohl fachlich als auch persönlich weitergebracht. „Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ein Praktikum das Selbstbewusstsein fördert, weil ich als junger Geselle auch mehrere Betriebe durchlaufen habe“, sagte der Schreiner.

Das Tandem-Programm „Freiwillige Berufliche Praktika“ will Auszubildenden in Deutschland und in Tschechien eine grenzüberschreitende Mobilität ermöglichen. Jarmila Půbalová in Pilsen und Marius Meier in Regensburg sind für das Programm „Freiwillige Berufliche Praktika“ in den Tandem-Büros zuständig. Beide sind sich einig: „Die Erfahrung eines Auslandspraktikums im Nachbarland ist unersetzbar und bereichernd auf mehreren Ebenen. Je nach Praktikumsdauer wird zwar auch das fachliche, jedoch noch viel mehr das soziale Profil der Praktikant:innen geschärft.“ Die Praktikant:innen erleben durch ein Auslandspraktikum neue Perspektiven. Durch den Blick über den Tellerrand erweitern sie ihren eigenen Horizont und hinterfragen Stereotype. Marius Meier empfiehlt einen Auslandsaufenthalt in Tschechien auch aus eigener Erfahrung: „Mein damaliger Aufenthalt hat mich als Mensch weitergebracht, das wünsche ich den Teilnehmer:innen unseres Programms „Freiwillige Berufliche Praktika“ auch!“

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Redaktion: Tandem Verantwortlich: Kathrin Freier-Maldoner