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wie Schulwesen

Tschechische Schüler/-innen sind durch ihre schulischen Verpflichtungen weitgehend ausgelastet. Ähnlich wie die deutschen Gymnasiast/-innen können auch die tschechischen Schüler/-innen seit einiger Zeit in den beiden letzten Jahren ihre Fächer zum Teil selbst wählen, auch, um sich nach Beendigung der Schule optimal auf die jeweiligen Aufnahmeprüfungen an den Hochschulen vorbereiten zu können. Bereits ab der dritten Klasse beginnt in Tschechien der Fremdsprachenunterricht. Englisch liegt hierbei seit einigen Jahren mit deutlichem Abstand vor dem Fach Deutsch. Noch Mitte der 90-er Jahre war Tschechien das einzige Land weltweit, in dem mehr Deutsch als Englisch unterrichtet wurde. Die Ausbildung zum Lehrer / zur Lehrerin erfolgt an den pädagogischen Fakultäten und dauert fünf Jahre – Weiterbildung ist Aufgabe der pädagogischen Zentren.
Laut Angaben des Instituts für Informationen zur Erziehung (Ústav pro informace ve vzdělávání – ÚIV, www.uiv.cz) sollte das durchschnittliche Gehalt einer Lehrkraft ca. 900,-- € im Monat betragen. Damit hätten sich die Gehälter seit 1997 bis 2007 mehr als verdoppelt.  Die Realität sieht leider sehr oft so aus, dass viele Lehrerinnen und Lehrer zur Sicherung des Lebensunterhalts noch mindestens einen Nebenjob benötigen. 


Kindergarten (mateřská škola / školka)

In Tschechien ist der Kindergarten in das Schulsystem integriert und fällt auch unter die Aufsicht des Schulministeriums.

→ K wie Kindergarten/Kindertagesstätte 

Grundschule (základní škola)

In Tschechien umfasst die Grundschule neun Jahre, ebenso wie die Schulpflicht.  Die Grundschule wird in zwei Bildungsstufen unterteilt. In der ersten Stufe (Klasse 1-5) unterrichtet der/die Klassenlehrer/-in fast alle Fächer, wohingegen in der zweiten Stufe (Klasse 6-9) sich die Lehrer/-innen je nach Fachbereich spezialisieren.

Im Grundschulbereich ist eine Rückkehr zu kleineren Schulen mit wenigen Klassen zu verzeichnen, wodurch die Schüler/-innen auch in ihrer Heimatgemeinde unterrichtet werden können. Für begabte Schüler/-innen wurde die Möglichkeit geschaffen, bereits nach Abschluss der fünften beziehungsweise siebten Klasse ein mehrjähriges Gymnasium zu besuchen. Hierfür müssen sie jedoch die jeweiligen Aufnahmeprüfungen erfolgreich bestehen.

Gymnasien (gymnázium)

An allen Gymnasien und (Fach-)Oberschulen der Tschechischen Republik gibt es Aufnahmeprüfungen. Die Schüler/-innen können sich an (momentan bis zu) drei Schulen gleichzeitig bewerben. Das Gymnasium wird (im Erfolgsfall) mit dem Abitur (maturita) abgeschlossen, das zurzeit aus einer schriftlichen Prüfung und vier mündlichen Prüfungen besteht. Das Abitur gilt als Hochschulzugangsberechtigung. Übrigens werden alle Schüler/-innen höherer Schulen als Student/-inn/en („studenti“) bezeichnet.

(Fach-)Oberschulen (střední (odborné) školy)

Es gibt Technische (Fach-)Oberschulen für diverse Fachrichtungen, unter anderem Bauwesen, Maschinenbau, Gesundheitswesen, Hotelwesen und Elektrotechnik. Dieser Fachschultypus schließt mit dem Fachabitur (nach vier Jahren) ab. Deshalb ist die wörtliche Übersetzung (střední škola = Mittelschule) missverständlich. Absolvent/-innen der

(Fach-)Oberschulen erlangen mit dem Fachabitur die allgemeine Hochschulreife.

Zudem gibt es in Tschechien (beispielsweise in Prag und Pilsen) auch Konservatorien (konzervatoř) für musikalisch begabte Schüler/-innen, die eine Aufnahmeprüfung absolvieren müssen. Diese Konservatorien entsprechen in Deutschland in etwa den Fachakademien für Musik und werden mit Abitur (maturita) abgeschlossen.

Ein in der letzten Zeit immer beliebter gewordener Schultypus im Bereich der (Fach-)Oberschule ist die – häufig private – Handelsakademie (Obchodní akademie). Die stetig steigende Zahl der Schulabgänger/-innen führt allerdings zu Schwierigkeiten bei der Arbeitsplatzsuche.

Berufliche Oberschulen (Střední odborná učiliště)

Hier erfolgt eine Ausbildung im handwerklichen Bereich, die mit der staatlichen Gesellenprüfung abgeschlossen werden kann. Nach drei Jahren Lehre kann in einem Aufbaustudium (dauert zwei Jahre) das Abitur abgelegt werden. Private Betriebe zeigen bisher leider nur geringes Interesse, sich an der Finanzierung der Ausbildung ihrer zukünftigen Mitarbeiter/-innen zu beteiligen.

Integrierte Oberschulen (integrované střední školy)

Unter diesem Begriff verstand man bis 1998 in Tschechien den Zusammenschluss von Beruflichen Oberschulen (střední odborná učiliště) und (Fach-)Oberschulen (střední (odborné) školy). Heutzutage hat diese Bezeichnung laut Aussage des tschechischen Schulministeriums lediglich noch historische Bedeutung. Seit dem Jahr 2005 wird im Schulregister nur noch die Art bzw. Ausrichtung der Oberschule angeben, wobei Zusätze wie z.B. „Elektrotechnisch“ aber weiterhin auch „Integriert“ mit aufgenommen werden können.

Förderschulen (speciální školy)

Sie bieten in ihrer Gesundheit eingeschränkten Kindern und Jugendlichen Erziehung und nach ihren Möglichkeiten auch entsprechende Bildung und bereiten sie so auf die Eingliederung ins gesellschaftliche Leben vor. Sie wirken auf den Ebenen der vorschulischen Erziehung, des Grund- und Mittelschulwesens.

Vor einigen Jahren wurde ein Integrationsprogramm ins Leben gerufen, bei dem den Kindern ein/e persönliche  Betreuung zur Seite gestellt wird, sodass sie mit anderen Kindern die Regelschulen besuchen können.

Höhere Fachbildung (vyšší odborné školy)

Hier kann alternativ zum Hochschulstudium drei Jahre studiert werden. Diese Bildungsstufe wurde 1995 geschaffen und kann mit dem (nachgestellten) Titel Dis. (= „diplomovaný specialista“ – „diplomierter Spezialist“) abgeschlossen werden, was jedoch kein Hochschultitel ist. Als weiterer Unterschied zu den Hochschulen zeichnet diese „Höheren Fachschulen“ eine stärkere Praxisorientierung aus.  Sie werden beispielsweise von Mitarbeiter/-innen im Gesundheitswesen (Oberschwestern o.ä.) besucht.

Hochschulen und Universitäten (vysoké školy a univerzity)

Voraussetzung für ein Hochschulstudium ist neben dem Abitur das Bestehen der Aufnahmeprüfung an der jeweiligen Hochschule. Man kann sich jedes Jahr für mehrere Aufnahmeprüfungen melden, für die auch eine Gebühr gezahlt werden muss. Es ist jedoch durchaus keine Ausnahme, dass jemand mit einem ausgezeichneten Abitur an den schwierigen Prüfungen mehrmals scheitert.

Das Bakkalaureatsstudium kann nach drei Jahren mit dem Titel Bc. abgeschlossen werden. Das fünfjährige Masterstudium wird mit dem Titel Magister (Mgr.) abgeschlossen. Analog dazu gibt es die Titel Ingenieur (Ing.). Das sechsjährige Medizinstudium wird mit dem Titel MUDr. (Humanmedizin) bzw. MVDr. (Veterinärmedizin) beendet. Nach dem Rigorosum können die Titel PhDr., RNDr. u. Ä. erlangt werden. Das Promotionsstudium wird mit dem Titel Ph.D. abgeschlossen.

An den tschechischen Universitäten gibt es hinsichtlich des Abschlusses also auch drei Stufen: Bachelor (3 Jahre, Bc.), Master (zusätzlich 2 Jahre oder 5-jähriger Magisterstudiengang, Mgr. Ing.), Promotion (3-4 Jahre, Ph.D.).

 Die Hochschulen bieten zwar ebenfalls Bakkalaureats- und Masterstudien an, ermöglichen jedoch keine Promotion.

Kunst- und Musikschulen (Základní umělecké školy)

Alle schulpflichtigen Kinder können in ihrer Freizeit (nach einer Aufnahmeprüfung) auch eine (staatliche) Kunst- bzw. Musikschule besuchen. Dort können sie sich 1-9 Jahre lang mit z.B. bildender Kunst oder Musikinstrumenten befassen, wobei sie von Künstler/-innen unterrichtet werden. Jedes Schuljahr bekommen sie auch ein Übertrittszeugnis in den nächsten Jahrgang. Zu den Fächern zählen beispielsweise Tanz, Musik, bildende Kunst, literarisch-dramatische Ausbildung.

Sprachschulen mit staatlichem Sprachprüfungsbefugnis (Jazyková  škola s právem státní jazykové zkoušky)

Die früher unter dem Namen „Staatliche Sprachschulen“ bekannten Schulen werden heute „Sprachschulen mit dem Recht der staatlichen Sprachprüfung“ genannt, weil man dort (auch ohne sie zu besuchen) eine Sprachprüfung ablegen kann, die in Tschechien bei Bewerbungen anerkannt werden muss (ihr Niveau ist vom Staat garantiert – überall und zu immer gleichen Bedingungen). Heutzutage werden jedoch mehr die auch in Tschechien bekannt gewordenen internationalen Prüfungen bevorzugt.  Ansonsten entsprechen diese Sprachschulen den Privatschulen. Sie müssen jedoch auch Vorbereitungskurse für die Staatsprüfung (vier verschiedene Stufen, u.a. auch Dolmetschen und Übersetzen) anbieten. Als Abschluss erhält man das Zeugnis der bestandenen „staatlichen Prüfung“. Diese Sprachschulen können auch Oberschulen (střední (odborné) školy) angegliedert werden, sodass eine Schule beispielsweise „Gymnasium und Sprachschule mit dem Recht der staatlichen Sprachprüfung“ heißen kann.

 

Informationen zum tschechischen (und deutschen) Schulsystem finden sich auch in dem von Tandem herausgegeben Sprachführer „Do kapsy - Für die Hosentasche“.
Eine detaillierte Übersicht (überwiegend auf Englisch) zu den verschiedenen Schulsystemen in Europa bietet das Institut für Sozialforschung, Informatik und Soziale Arbeit (ISIS Berlin e.V.).  

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